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Geschwindigkeitsrausch

Posted von Martin am 23. Februar 2012 in Dies & Das, Ohne mich |
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Und wieder ist etliches an Zeit vergangen. Und immer noch beschäftigt mich hauptsächlich diese Stadt (mehr dazu unter Ambivalenz), was daran liegen könnte, dass ich mich immerhin fünf Tage die Woche dort aufhalte…

Wobei, im Augenblick ist es vielmehr eine Eigenart ihrer Bewohner, die mich wieder an die Tastatur bringt. Und zwar haben diese Leute ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren öffentlichen Verkehrsmitteln. Sicherlich liegt es an mir, dass sich der tiefere Sinn dieses „besonderen Verhältnis“ noch nicht erschlossen hat, aber der Reihe nach. Gegeben ist eines der – nach eigener Einschätzung – besten städtischen Nahverkehrssysteme Mitteleuropas, was zwar einige Macken hinsichtlich der Planung von Umsteigepunkten hat, aber das bin ich schließlich schon aus der Heimatstadt meines beruflichen Mutterschiffs gewohnt…

Was jedoch wirklich einen gewissen Charme aufweist, ist die Frequenz der einzelnen Verkehrsmittel, sowie die Verstärkungen im Berufsverkehr. So zumindest mein subjektiver Eindruck des hier-zu-Gast-Seienden. Denn für die Stadtbevölkerung scheint sich die ganze Situation völlig anders darzustellen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem Stand, aktueller Bekleidung, mitgeführtem Gepäck, etc., etc. allein der Eindruck eines in Kürze abfahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln unvermittelt zu unglaublichen sportlichen Höchstleistungen befähigt. Da wird gerannt und gestolpert was die hochhackigen Schuhe hergeben. Bordsteine oder Rolltreppen im Weg? Nicht solange man (bzw. hinsichtlich des hier besprochenen Schuhwerks dann doch eher auch frau) sich eben noch so mit Balancieren der Frühstückstüte in der einen Hand und der Aktentasche in der Anderen (die Handtasche über der Schulter stellt vermutlich irgendeine Art von Gegengewicht dar) in die sich schließende Tür des beinahe abfahrenden Zuges oder Busses schmeißt, nur um ein paar cm² Stehplatz zwischen gefühlt 200 anderen Fahrgästen zu ergattern.

Vermutlich ist all das die hierzulande übliche Form von zwischenmenschlicher Nähe und Sozialverhaltens, was sich dem Außenstehenden aber einfach nicht erschließt. Insofern warte ich auch in Zukunft noch die drei Minuten ab, bis der nächste Bus (übrigens ca. 1,5 mal so groß wie der gerade erst bis unters Dach Vollgestopfte der anderen Linie) in die gleiche Richtung kommt. Dass ich mich im schlimmsten Fall sogar hinsetzen kann, anstatt mich an meinen Nebenstehern anzulehnen, das ist dann wohl das Los meiner Unkenntnis, aber damit kann ich trotz allem ganz gut leben.

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